Start › Ratgeber

BFSG für Shopify-Shops: Was seit dem 28.06.2025 Pflicht ist (Checkliste)

Seit dem 28. Juni 2025 gilt das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz (BFSG). Es setzt die EU-Richtlinie 2019/882 (European Accessibility Act) in deutsches Recht um. Für Onlineshops ist vor allem eine Kategorie relevant: Dienstleistungen im elektronischen Geschäftsverkehr, also Websites und Apps, über die Verbraucherinnen und Verbraucher Verträge abschließen. Ein Shopify-Shop, der an Privatkunden verkauft, fällt typischerweise darunter. Diese Checkliste zeigt, was Sie prüfen sollten.

Keine Rechtsberatung: Dieser Artikel gibt den Stand unserer Recherche (November 2026) wieder und ersetzt keine Rechtsberatung. Für eine verbindliche Einschätzung Ihres Einzelfalls wenden Sie sich bitte an eine Rechtsanwältin oder einen Rechtsanwalt.

Bin ich überhaupt betroffen?

Das BFSG gilt für Dienstleistungen gegenüber Verbrauchern (B2C). Reine B2B-Shops, die ausschließlich an Unternehmen verkaufen, sind nach dem Wortlaut nicht erfasst – das sollte sich aber auch im Shop klar zeigen (z. B. Verkauf nur an Gewerbetreibende mit entsprechender Prüfung).

Ausgenommen sind Kleinstunternehmen, die Dienstleistungen erbringen (§ 3 Abs. 3 BFSG). Kleinstunternehmen sind nach § 2 Nr. 17 BFSG Unternehmen mit weniger als 10 Beschäftigten und einem Jahresumsatz oder einer Jahresbilanzsumme von höchstens 2 Mio. €. Mehr dazu in unserem Artikel BFSG Abmahnung, Bußgeld und Kleinstunternehmen-Ausnahme.

Welcher Standard gilt technisch?

Das BFSG und die zugehörige Verordnung (BFSGV) beschreiben die Anforderungen allgemein: Inhalte müssen wahrnehmbar, bedienbar, verständlich und robust sein. Als Maßstab für die Vermutung der Konformität dienen harmonisierte Normen; in der Praxis ist das die europäische Norm EN 301 549, die für Webinhalte die Erfolgskriterien der WCAG 2.1 auf Stufe AA übernimmt. Wer seinen Shop an WCAG 2.1 AA ausrichtet, arbeitet also am richtigen Maßstab.

Die Checkliste für Shopify

1. Theme und Grundgerüst

  • Sprache der Seite ist gesetzt (<html lang="de">) – in Shopify über die Shop-Sprache bzw. das Theme.
  • Es gibt einen „Zum Inhalt springen“-Link und eine logische Überschriftenstruktur (eine H1 pro Seite, keine übersprungenen Ebenen).
  • Der Tastaturfokus ist überall sichtbar (WCAG 2.4.7). Viele Themes entfernen den Fokusrahmen per CSS.
  • Alles ist ohne Maus bedienbar: Menü, Mega-Menü, Filter, Slider, Pop-ups (WCAG 2.1.1).
  • Die Seite funktioniert bei 400 % Zoom bzw. 320 px Breite ohne horizontales Scrollen (WCAG 1.4.10).

2. Farben und Texte

  • Kontrast normaler Text mindestens 4,5:1, großer Text 3:1 (WCAG 1.4.3). Typische Problemfälle: hellgraue Preise, weiße Schrift auf Bannerbildern, „Ausverkauft“-Badges.
  • Bedienelemente und Fokusrahmen haben mindestens 3:1 Kontrast zur Umgebung (WCAG 1.4.11).
  • Informationen werden nicht nur über Farbe vermittelt (z. B. ausgewählte Variante, Fehler im Formular).

3. Bilder und Medien

  • Produktbilder haben aussagekräftige Alternativtexte (WCAG 1.1.1) – in Shopify pflegen Sie diese pro Medium im Produkt-Admin.
  • Dekorative Bilder haben ein leeres alt="".
  • Videos haben Untertitel; automatisch startende Slider oder Videos lassen sich pausieren (WCAG 2.2.2).

4. Produktseite

  • Variantenauswahl (Größe, Farbe) ist per Tastatur bedienbar und für Screenreader beschriftet.
  • Icon-Buttons (Warenkorb, Suche, Merkliste, Menge +/−) haben einen zugänglichen Namen (WCAG 4.1.2).
  • Meldungen wie „In den Warenkorb gelegt“ werden Screenreadern angesagt (Statusmeldungen, WCAG 4.1.3).

5. Warenkorb, Formulare und Checkout

  • Alle Formularfelder haben sichtbare Beschriftungen (WCAG 3.3.2), Fehler werden im Text benannt (WCAG 3.3.1).
  • Der Warenkorb-Drawer hält den Fokus und lässt sich mit Escape schließen.
  • Der Shopify-Checkout wird von Shopify selbst bereitgestellt; Anpassungen über Apps oder Checkout-Extensions sollten Sie trotzdem mittesten.

6. Apps und Drittinhalte

  • Cookie-Banner, Bewertungs-Widgets, Chat und Newsletter-Pop-ups sind oft die größten Barrieren. Prüfen Sie jede App mit Tastatur und Screenreader.
  • Ein Overlay-Widget ersetzt keine Fixes im Code – siehe Warum Overlay-Widgets das BFSG nicht lösen.

7. Informationen zur Barrierefreiheit

Nach Anlage 3 BFSG müssen Dienstleistungserbringer Informationen bereitstellen, wie ihre Dienstleistung die Barrierefreiheitsanforderungen erfüllt – üblicherweise als Barrierefreiheitserklärung. Eine Vorlage finden Sie in unserem Artikel Barrierefreiheitserklärung für Onlineshops – Muster.

So testen Sie selbst in 30 Minuten

  1. Startseite, eine Kategorie, eine Produktseite und den Warenkorb nur mit Tab, Shift+Tab, Enter und Leertaste bedienen.
  2. Ein automatisches Prüftool laufen lassen (z. B. WAVE oder axe DevTools im Browser).
  3. Browser-Zoom auf 200 % und 400 % stellen.
  4. Kurz mit einem Screenreader testen (NVDA unter Windows, VoiceOver auf Mac/iPhone).

Automatische Tools finden nur einen Teil der Probleme. Der Rest braucht manuelle Prüfung – genau das machen wir im Barrierefix-Check.

Quellen

Häufige Fragen

Gilt das BFSG für jeden Shopify-Shop?

Es gilt für Shops, die Verbrauchern Verträge im elektronischen Geschäftsverkehr anbieten. Ausgenommen sind Kleinstunternehmen (weniger als 10 Beschäftigte und höchstens 2 Mio. € Jahresumsatz oder Jahresbilanzsumme), die Dienstleistungen erbringen, sowie reine B2B-Angebote.

Welcher technische Standard ist maßgeblich?

In der Praxis die EN 301 549, die für Webinhalte die WCAG 2.1 auf Stufe AA übernimmt.

Ist ein barrierefreies Shopify-Theme ausreichend?

Ein gutes Theme ist eine solide Basis, aber Inhalte (Alternativtexte, Kontraste in Bannern), Apps und eigene Anpassungen können neue Barrieren erzeugen. Sie sollten den fertigen Shop prüfen.

Seit wann gilt das BFSG?

Seit dem 28. Juni 2025.